geistige güter
frage:
warum sind gesellschaftlich gesehen nur die dinge und menschen hochgelobt, die sich wirtschaftlich rentieren und dazu beitragen?
und warum werden interessante gedanken, ideen, konzepte und kunstwerke meist nur als entbehrliches luxuriöses beiwerk betrachtet? damit verbunden auch ihre geber als häretiker und querköpfe empfunden?
antwort:
weil geistige güter im allgemeinen wohl vollkommen anders bewertet werden als materielle.
aber woran liegt das?
diese frage ist nicht neu, beschäftigt immer wieder die generationen, u.a. schon um 1912 die künstlergruppe des Blauen Reiters, wegbereiter der modernen nationalen und internationalen kunst, so dass sie in ihrer programmatischen schrift dem almanach des blauen reiters feststellen: "es ist wahnsinnig schwer, seinen zeitgenossen geistige geschenke zu machen."

sie gehen sogar noch weiter und stellen die diagnose, dass dieser hang zur materialität nur ein symptom für ein viel größeres übel ist:
"der allgemeinen interessenlosigkeit der menschen für neue geistige güter!" (wie wahr, wie wahr)
"neue ideen sind nur durch ihre ungewohntheit schwerverständlich - wie oft müßte man diesen satz aussprechen, bis einer von hundert die nächstliegenden konsequenzen aus ihm zöge?"
und das ist der punkt, trägheit und interessenlosigkeit im geist der massen führen zur verachtung und schmähung der angebotenen geistigen güter und deren geber (künstler und intelleketuelle). in dieses feld ist leider auch die aktuelle politische debatte um qualifikation statt bildung einzuordenen, denn es steht nicht nur der einzelne geistige zustand eines` qualtifizierten´ menschens auf dem spiel, sondern auf längere sicht gesehn, die zukunft einer ganzen gesellschaft. was macht eine gesellschaft deren mitgleider zwar in ihren fachgebieten spezialisiert sind, aber nicht mehr die geistge weite - die durch umfassende bildung vermittelt wird etc.- besitzen mündig und verantwortlich in einem demokratischen sinne zu handeln.
sie geht samt ihres demokratischen systems unter.
einzige lösung (die der blaue reiter für dieses dilemma sah: schonungsloses persönliches und leidenschaftliches engagement der geber der geistigen güter, trotz schmähung)
"wir werden aber nicht müde werden, es zu sagen, und noch weniger müde, die neuen ideen auszusprechen und die neuen bilder zu zeigen, bis der tag kommt, wo wir unsern ideen auf der landstraße begegnen."
lasst uns also die landstraße im auge behalten und einfach auf diesem weg gehen!